Nachhal-Tiger Logo

Ist Bambus wirklich nachhaltig?

Ist Bambus wirklich nachhaltig?

Ist Bambus wirklich nachhaltig?

Warum sind Produkte aus Bambus eigentlich nachhaltig?

Bambus wird fälschischerweise von vielen als Holz definiert. Genau genommen ist Bambus aber kein Holz. Bambus ist weder Baum, noch Strauch. Tatsächlich gehört Bambus zu den Grasarten. Daher kann die Bambuspflanze die flexiblen Eigenschaften von Gras haben, dabei auch sehr widerstandsfähig und belastbar sein.


Welche Vorteile der Einsatz von Bambus noch mit sich bringt und warum Bambus als Rohstoff der Zukunft angesehen wird und Plastik und Holzprodukte verdrängen will, kannst Du in folgendem Beitrag lesen.

Ist Bambus wirklich nachhaltig

1. Die Bambuspflanze ist ein schnell nachwachsender Rohstoff

Wenn Bambus geerntet wird, treibt die Pflanze weiterhin unterirdische Wurzelsysteme (sog. Rhizome) aus, sodass der Gesamtbestand durch seine Ernte nicht gefährdet wird. Bambus breitet sich also unterirdisch durch Rhizome aus. Rhizome speichern Reservestoffe, die Wurzeln wachsen nach unten aus ihnen und nach oben die Halme.


Bei der Neuanpflanzung von Bambus bilden sich zunächst neue Wurzeln und Rhizome. Jedoch im folgenden Jahr wächst der Bambus oberirdisch.

Ein Halm wächst immer aus der Erde in 4-6 Wochen auf seine Endhöhe und danach nicht weiter. Nach etwa 7 Jahren ist die Wuchsendhöhe des Bambus erreicht. Es bilden sich neue Halme, diese wachsen aber nicht mehr höher als die bestehenden.

Anders als Bäume haben Bambusse kein Dickenwachstum. Ein Halm wächst mit seinem Durchmesser aus dem Boden und schiebt sich teleskopartig auseinander. Die Abstände zwischen den Knoten sind bereits im Boden angelegt. Das Wachstum pro Tag kann 30 bis 50 cm betragen. Sobald der Halm auf seiner Höhe ist, entfaltet sich die Seitenverzweigung und die Blätter.  Ein Halm hat ca. eine Lebensdauer von 4-7 Jahren, danach wird er grau und das Laub vertrocknet. Um Platz für neue Halme zu schaffen, sollten diese alten Halme bodeneben abgeschnitten werden.


Die Bambuspflanze bildet über ihr Wurzelsystem kontinuierlich neue Halme. Jährlich können große Mengen geerntet werden, ohne dass die Pflanze stirbt und der Bestand gefährdet wird. So wird Bambus auch zukünftigen Generationen niemals ausgehen.

2. Bambus ist für gut für Allergiker geeignet

Die Bambuspflanze stellt einen Stoff her (Bambus-Kun), der sie vor Schädlingen und Pilzbefall schützt. Das macht den Bambus von Natur aus anti-bakteriell, anti-mikrobiell und hypo-allergen. Produkte aus Bambus sind daher auch sehr gut für Allergiker geeignet.

3. Bambus speichert viel Kohlenstoff (CO2)

Bambus zählt zu den am schnellsten nachwachsenden Rohstoffen (1/2 Meter pro Tag) und hat hervorragende Eigenschaften. Durch die extrem hohe CO²-Aufnahme ist Bambus ein wichtiger Filter für die grüne Lunge unserer Erde. Bambus ist ein grasartig wachsendes Gewächs, dessen Zellstruktur holzartig ist, wodurch er äußerst stabil und elastisch zugleich ist.

Bambus wächst schnell und speichert viel Kohlenstoff während des schnellen Wachstums. Daher zählt Bambus zu den Pflanzen, die während ihrer Lebensdauer am meisten CO2 absorbieren. Außerdem wird circa 35% mehr Sauerstoff freigesetzt als bei Bäumen gleicher Größe.

4. Kein Einsatz von Dünger, Pestiziden und Bewässerung notwendig

Bambus ist im Anbau sehr nachhaltig, da er weder Düngemittel noch Pestizide braucht und das Wasser aus der Natur bezieht. Viele Bambussorten sind sogar beständig bei Dürre. Beim Anbau werden kaum Düngemittel, Pestizide oder künstliche Bewässerungsmethoden eingesetzt, da die Pflanzen äußerst widerstandsfähig sind. Die unmittelbaren Auswirkungen des Bambusanbaus auf die Umwelt sind daher vergleichsweise gering.

5. Bambus als globales Entwicklungselement

Bambus wächst in einigen der ärmsten Regionen der Welt. Als strategisches Element in der globalen Entwicklungsagenda kann durch die Kultivierung, Weiterverarbeitung und Verwendung von Bambus Arbeit und Einkommen in besonders strukturschwachen Regionen geschaffen werden.

Prinzipiell ist der Anbau von Bambus für Umwelt und Arbeiter weitaus verträglicher als die Produktion anderer heikler Agrar-Produkte wie Kaffee, Bananen oder Baumwolle. Um aber sicherzugehen, dass für die Plantagen keine Primärwälder zerstört wurden, ist es sinnvoll, auf nachhaltigen Anbau zu achten und sich im Zweifelsfall beim Händler nach den Produktionsbedingungen zu erkunden. Das FSC®-Siegel ist für Bambusprodukte noch sehr selten. In Weltläden, bei GEPA und in entsprechenden Online-Shops gibt es oftmals eine kleine Auswahl an Bambusprodukten aus fairem Handel.

6. Bambus ersetzt Erdöl und Zuckerrohr bei der Herstellung von Bioplastik

Bambus ist ein natürlich vorkommender Rohstoff, der stetig nachwächst und biologisch abbaubar ist. Er wird sowohl als Ersatz für Kunststoffprodukte als auch als Ausgangsmaterial für Bioplastik verwendet.

Im Gegensatz zu Erdöl, aus dem Plastik normalerweise gefertigt wird, ist Bambus eine nachwachsende Ressource. Die Gewinnung ist zudem deutlich weniger riskant als die von Rohöl.

Bioplastik wird oft auf Basis von essbaren Pflanzen wie Mais oder Zuckerrohr gewonnen; die Produktion steht damit in direkter Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Daher ist es auch hier sinnvoll, Bambus aus Ausgangsrohstoff für Bioplastik zu verwenden.

7. Bambus hat sehr gute Materialeigenschaften und ist vielseitig einsetzbar

Bambus bietet eine stetig wachsende Vielzahl an Verwendungsmöglichkeiten und liefert zukunftsfähige Alternativen zur Nutzung von immer knapper werdenden Ressourcen wie Holz, Metall oder Öl.

Bei der Zugfestigkeit schreibt man Bambus den zweieihalbfachen Wert von Stahl zu. Der Rohstoff hat eine extrem dichte Zellstruktur, weshalb er sich auch durch eine hohe Oberflächenhärte auszeichnet. Zusätzlich verfügt er über eine hohe Elastizität und ist sehr biegsam. Ein weiterer Pluspunkt ist die Farbstabilität, denn das Gras hat einen natürlichen UV-Schutz, der zum Beispiel bei Holz nur in der Rinde zu finden ist, die bei der Verarbeitung wegfällt. Außerdem enthält Bambus keine Harze, Öle oder Gerbsäuren, was die Verarbeitung erleichtert und chemische Behandlungsschritte wegfallen.


Die immer grüne Pflanze ist hart und robust und doch sehr leicht und flexibel zugleich. Sie ist langlebig und schnellwachsend, nachhaltig und besonders vielseitig. Aus gutem Grund schwärmt die Holz-Industrie von den Materialeigenschaften des Bambus, die ihn zum perfekten Rohstoff für Alltagsgegenstände aller Art macht. Es gibt fast nichts, was man aus Bambus nicht herstellen kann: Von langlebigen und robusten Möbeln über Deko- und Lifestyle-Artikel, Zahnbürsten, Klopapier und sogar Fahrradrahmen ist alles vertreten. Die Bambusfaser hat von Natur aus eine leichte antibakterielle Wirkung, wodurch sie sich auch ideal für Schneidebretter eignet.

8. Bambus verhindert Bodenerosion

Bambus ist ein äußerst nachhaltiges und langlebiges Baumaterial, wenn es mittels umweltschonender Salzinfusionen haltbar gemacht wird.

Bambus wächst in einigen der ärmsten Regionen der Welt. Als strategisches Element in der globalen Entwicklungsagenda kann durch die Kultivierung, Weiterverarbeitung und Verwendung von Bambus Arbeit und Einkommen in besonders strukturschwachen Regionen geschaffen werden.

Viele Bambusarten haben großflächige unterirdische Wurzelsysteme, aus denen sich ständig neue Halme ausbilden lassen. Wird ein Halm geerntet, stirbt nicht gleich die ganze Pflanze, denn das Wurzelgeflecht (botanisch korrekt: das Rhizom) bildet unentwegt neue Triebspitzen. So können jährlich große Mengen gefällt werden ohne den Gesamtbestand zu gefährden.

Das Rhizom sorgt nicht nur für die enorme Vitalität der Bambuspflanze, sondern festigt gleichzeitig den Boden und reduziert damit die Bodenerosion. In Äthiopien wird Bambus daher vermehrt angepflanzt, um die sich ausbreitende Wüste zurückzudrängen.


9. Lieber Bambus als Holz?

Ob Bambus als Holzersatz „besser“ ist als heimische Hölzer, kann man nach gegenwärtigem Stand nicht eindeutig beantworten. Zwar ist er durch seinen extrem schnellen Wuchs, die häufige Ernte und die hohe CO2-Speicherkapazität prinzipiell nachhaltiger als das Holz der meisten Bäume.

Allerdings sind die Transportwege des Bambus nach Europa recht lang und verursachen große Mengen schädlicher Treibhausgase. Zudem werden die deutschen Wälder zu großen Teilen nachhaltig bewirtschaftet und müssen daher weniger geschützt werden als die Tropenwälder. Letztlich muss man die weitere Entwicklung des noch kleinen Marktes abwarten – bis dahin ist „Bambus oder Holz?“ vor allem eine Frage der Verfügbarkeit und des Geschmacks.


Wichtig: Bei Bambus Produkten auf Herkunft und Zertifikate achten

Achtung! Wo Bambus draufsteht, ist nicht unbedingt nur Bambus drin. Nicht selten bestehen Bambusprodukte noch immer aus bis zu 60% Kunststoff, wie Melaminharz und Formaldehyd und nicht ausschließlich aus Naturmaterial.

Beispielsweise ist in Coffee-to-go-Bechern aus Bambus künstlicher Klebstoff enthalten – aus dem sich bei hohen Temperaturen gesundheitsschädliche Stoffe lösen können. In manchen dieser Kaffeebecher fanden Experten sogar nur weniger als ein Drittel Naturfasern.

Auch scheinbar umweltfreundliches Bambusgeschirr besteht oft nicht zu 100 Prozent aus Bambus. Häufig werden Melaminharz oder andere Kunststoffe beigemischt, damit das Geschirr bruchfest wird. Bei einer Hitzezufuhr von über 70 Grad (zum Beispiel in der Mikrowelle) können sich diese Stoffe aus dem Geschirr lösen und gesundheitsschädlich wirken. Außerdem können solche Produkte schlecht recycelt werden.

Wer sich also Bambus-Produkte kauft, sollte auf die Herkunft achten, Produkte mit Nachhaltigkeits-Siegel (vor allem FSC) bevorzugen und nach weiteren, möglicherweise problematischen Inhaltsstoffen wie Leimen und Kunstharzen fragen.


Ähnliches gilt in der Textilindustrie. Auch hier wird oft mit dem Wording „Bambus“ geworben. Dabei besteht Bambus-Kleidung zumeist aus Bambusviskose – einer aus Bambuszellulose gewonnenen Chemiefaser, die nicht mehr viel mit einem nachhaltigen Naturprodukt zu tun hat.


Das FSC-Siegel gehört zwar nicht zu den strengsten, aber es garantiert zumindest gewisse Umweltstandards und nachhaltige Anbau- und Erntemethoden. Mehr zum FSC-Siegel und weiteren nachhaltigen Gütesiegeln findest Du in diesem Blogbeitrag.

Über die Produktionsbedingungen sagt das Siegel allerdings nichts aus. Da Bambus aber noch überwiegend von kleinbäuerlichen Betrieben produziert wird (und nicht in industrialisierten Monokulturen wie etwa Baumwolle), gilt der Bambus-Anbau als vergleichsweise sozialverträglich.


Quellen: utopia.de, geo.de, bambus.de


Share by: